Am zweiten Tag nach Ankunft im Dufthafen
trafen sich fünf oder sechs alte Mitdörfler
am neuen Busbahnhof. Eine gleich
kurze aber längste, westverpflichtete Strecke
führte zum anderen Ufer der Flussmündung,
dem Bahnhof Perlensees. Von dort,
fuhr die nächste stundenlange Busstrecke ab
und wir stiegen aus in einem staubigen Bezirk,
an dessen Namen man sich nicht erinnern kann.
Danach traf uns noch ein Teil des Dorfes
und bot uns eine Fahrt zum Ort der Übernachtung
im Straßenviertel Fünf-Ölbaum-Berg.
Nach Ankunft wurden uns regionale Zwergbananen
und in-Honig-getunkten Bitterteig
aus Klebreismehl und gemahlenen Dreizweigblättern
angeboten.

Am ersten Tag des Grabkehrfestes,
trafen sich die alte Verwandten.
Wir kauften erst mal Obst
aus der mehrsprachigen Markthalle.
Dann liefen wir zum Grabhügel hin.
Links des Weges stand ein Baum
dorniger Jakobsfrüchten, und rechts,
das Haus väterliches Opas, wo wir
dasselbe Nest von Mehlschwalben
vor zwanzig Jahre sahen–die Vögel selbst
aber ein jüngeres Gelege.
Als wir auf dem Grabhügel ankamen,
suchten wir den Platz unseres Geschlechtes, dessen Name
“was” oder “wo” oder “warum” bedeutet.
Dann fingen wir das Fegegeschäft an;
wir stellten Backferkel und Backente vor die Geister;
wir teilten Drachenaugen und Wollmispeln und Mandarinenscheiben;
und gestalteten Höllengeld in einem Halbkreis
und zündeten es an, sowie Ähren Knallpapier,
und rote und goldene Kerzen,
und Bunden dreier Räucherstäbchen;
und wedelten sie auf und ab
und kritzelten Rauchwirbel
während wir unsere Vorfahren ansprachen;
und dann verbeugten wir uns dreimal
und steckten sie im Aschenhaufen;
und wir warfen rohe Reiskörner
und gare Reisklumpfen
und Reiswein und Schwarztee
und Ferkelgeschnetzeltes und Entengeschnetzeltes
rum und auf die Gräber;
all das aber in welcher Folge:
Das wissen wir nicht mehr.

Am zweiten Tag des Grabkehrfestes,
trafen sich die alten Mitschüler.
Sie kamen von nah und fern
und vom Großen Westsee herüber.
Es gab zumindest eine halbe Stunde
von Fotosmachen und Langenichtgesehen.
Am Abend dieses Treffens, veraß die Gesellschaft
alte und neue Gerichte der Ostweite sowohl
geschmortes Schweinebauch mit Senfkohl,
ausgebackenes Täubchen, oder gedämpften Karpfen,
als auch gebratene Erdnusssproßen,
Streifen Schwammkürbis in Knoblauchsoße,
oder einen kremigen Eintopf aus Wurzeln
der Olifantenohrplanze.
Am dem Tag der tausenden Fragen,
wurde es aber nicht gewundert,
woher man eingewandelt sei,
sondern wannehe man sich als Letztes gesehen habe;
und man durfte weder tun
als ob man nicht aus dem Land käme
noch als ob man die Gästesprache nicht verstünde.

Am dritten Tag des Grabkehrfestes,
trafen sich die alte Mitdörfler.
Das Regen überschwemmte das Gasthaus,
aber wir füllten trotzdem mehr als acht Tischrunden.
Der Auswahl an Gerichten
wäre überflüssig noch weiter aufzuzählen.
An dem Tag der Rückkehr, wurde uns fünferlei angesprochen:
auf der Mundarten der Ostweite, des Steinwegs,
der Gastfamilien, der Beamtern,
und ab und zu auch auf Spanisch.
Vor der Steinweger Sprechweise,
wie von der damaligen Altenpflegerin väterliches Opas
warnten unsere Ältern uns;
und sie sprach genauso unverständlich wie gedacht.
Es ist unser Schicksal: In dieser,
unserer südspannenden Urheimat,
sich mit den Verwandten
und alten Mischülern
und alten Mitdörfern zu treffen;
dem Baum dorniger Jakobsfrüchte
und dem alten Haus väterliches Opas vorbeizugehen;
zu beobachten, wie die Nachkommen der Mehlschwalben,
so wie wir, hierher flogen;
das Höllengeld, die Ähren Knallpapier, die Kerzen
und die Bunde dreier Räucherstäbchen anzuzünden,
um uns unseren Vorfahren bekannt zu machen;
und auf all diese Mundarten angesprochen werden
und einzusehen dass wir nicht nur
aus dem gästesprachigen und trockenselfkohlspeisenden Lande herstammen
sondern auch vom Straßenbezirk der mehrsprachigen Markthalle,
und nimmermehr zurück zu müssen.